Mittwoch, 20. Januar 2016

Yoga und Gefühle

Namasté ihr Lieben,

heute stelle ich euch das Buch "Yoga und Gefühle" und Anjali und R. Sriram vor.


Ich muss zugeben: Das Buch und ich, wir hatten sehr heftige Startprobleme.

Das ist keine leichte "Kurz vor dem Einschlafen-Lektüre" sondern erfordert einen klaren Geist, keinerlei Ablenkung und einen starken Willen.


Nachdem ich das verstanden und mich voll darauf eingelassen habe, wurden wir Freunde. Nicht ohne einen gewissen "Druck" ;-) Eine Yogakollegin hat mich gebeten, es ihr auszuleihen. Wofür ich sehr dankbar bin. Sonst würde "Yoga und Gefühle" vermutlich noch länger auf meinen Tisch liegen und auf mich warten.

Doch nun bin ich umso mehr stolz und glücklich, es gelesen zu haben. Denn es ist wirklich wundervoll. Anstrengend, aber sehr durchdacht und strukturiert. Und kam - wie ausnahmslos alle Bücher in den letzten Monaten - zur genau richtigen Zeit!

Das Buch wurde von Sriram (den ich hier schon oft erwähnt habe) und seiner Frau Anjali verfasst. In jedem Kapitel sind Anwendungsbeispiele, Anregungen oder Geschichten zum Reflektieren enthalten. Besonders schön finde ich die vielen (!) Zitate aus dem Yoga Sutra.

Das erste Kapitel war noch easy. "Von der Dualität". Mit Shiva (der Himmel, der Mann, Geist, positiv, göttlich) und Shakti (die Erde, die Frau,die Materie, weiblich, negativ, göttlich) wird der Leser eingeführt in die Gefühle, die Bedürfnisse, das Denken, die Liebe. Wieso ist alles eins?

Einheit entsteht, wenn alle Fühlen und Denken zueinander findet. (Yoga Sutra I.2)


Nachdem die drei Arten von Zielen...

  • emotionale (Kama)
  • materielle (Artha) und 
  • berufliche (Dharma)

... die wir vor Augen haben sollten, erklärt werden, geht es um "Die vier Gefühle für den Yogaweg":

  • Liebe (Maitri-Bhavana)
  • Mitempfinden (Karuna-Bhavana)
  • Mut (Mudita-Bhavana)
  • Gelassenheit (Upeksha-Bhavana)

Diese werden detailliert beschrieben. Das sind übrigens die s.g. Bhavanas zu denen, in Bezug auf Mitempfinden, meine Ausbilderin am zweiten Yogawochenende, als der Terror in Paris war, gesprochen hat.


Darauf augebaut werden dann die fünf Kleshas. Sie sind "Die Wesenseigenschaften unseres Charakters, die uns durch die Feinheit ihrer weit auslaufenden Fäden verwickeln könen".

  • Täuschung (Avidya)
  • Selbstbezogenheit (Asmita)
  • Gier (Raga)
  • Ablehnung (Dvesha) und
  • Angst (Abhinivesha)

Hier bin ich dann gedanklich ausgestiegen gewesen. Jetzt, beim mittlerweile dritten oder vierten Lesen, verstehe ich es wesentlich besser. Auf nicht mal zehn Seiten wird das alles erklärt und ich war wirklich überfordert. Aber zum Glück brauche ich das Buch ja nicht auswendig lernen. Und es ist definitiv ein geniales Nachschlagewerk!


Randbemerkung: Diese Buchbesprechung hier ist ein Grund, weswegen ich meinen Yoga-Blog so sehr liebe. ;-) Gibt Platz und Raum zum laut Nachdenken. Aber zurück zum Buch. Jetzt geht's nämlich erst richtig los!


Es folgen "Die acht Zustände":

  • Liebe (Shringara-Rasa)
  • Heiterkeit (Hasya-Rasa)
  • Ekel (Bibhatsa-Rasa)
  • Angst (Bhayanaka-Rasa)
  • Zorn (Raudra-Rasa)
  • Mitempfinden (Karuna-Rasa)
  • Mut (Vira-Rasa) und
  • Erstaunen (Adbhuta-Rasa).

Spätestens jetzt wird klar: Das ist keine gefühlsduselige Gutenachtgeschichte. Sondern wirklich ein Arbeits-Tanzbuch!


Weiter geht es dann mit den s.g. "Antarayas" und damit, wie man diese sprengt. Antaraya bedeutet "Das Zwischenwirkende". Es handelt sich um Eigenschaften, die unser Gefühlsleben beeinträchtigen.

  • Unwohlsein
  • Unbeweglich sein
  • Unentschieden sein
  • Ungeduldig sein
  • Uninteressiert sein
  • Unkonzentriert sein
  • Uneinsichtig sein
  • Ungläubig sein
  • Unbeständig sein

Zu jedem Antaraya ist eine Geschichte und eine Übungspraxis im Buch enthalten. Das lockert den Berg an Theorie ungemein auf und erklärt auch alles so gut, dass das Weiterlesen wieder Spaß gemacht hat, nach den trockenen Stellen.

Nun geht es mitten rein ins tiefe Fühlen. Bevor "Die Einheit von Mann und Frau" im letzten Kapitel erklärt wird, widmet sich der Leser dem "Ganzheitlichen Fühlen" oder anders gesagt "Alles hingeben". Es geht um "Die acht Gegebenheiten der Liebe", in Verbindung mit der Geschichte von Rhada und Krishna.

  • Die Erfüllte
  • Die Wartende
  • Die Getrennte
  • Die Scheltende
  • Die Klagende
  • Die Erwachende
  • Die Erkennende
  • Die Bedingungslose

Oh was habe ich mit Rhada gelitten!!!!! Und mit ihr gekämpft. Hinter ihr gestanden. Mich gefragt "Warum tut sie das denn nun?" und sie dann doch wieder verstanden. Hach.

Spätestens hier war ich endlich so richtig angekommen in diesem Buch. Die Geschichte und die praxisbezogenen Beispiele und Erklärungen, haben mich endgültig abgeholt.


Während des Lesens hatte ich ständig ein Lied im Kopf. Das will mit euch geteilt werden.
"Sie sieht mich nicht" von Xavier Naidoo.

An Gefühlen ist hier alles enthalten:

Mitempfinden, Mut, Heiterkeit, Angst, Eifersucht, Neid, Trauer, Zorn, Erstaunen.

Und die Königin der Gefühle, die Liebe.





Mich "überrascht" es langsam nicht mehr, dass ich Yoga in all "meinen" Liedern wieder finde. Mittlerweile denke ich eher, dass "meine" Musik Yoga ist.


Zurück zum Buch: Lesen! Aber nur dann, wenn du dich wirklich mit den/ deinen Gefühlen beschäftigen willst. Und sei dir bewusst: Es erfordert Ruhe und Geduld. Außerdem wird es dich (heraus)fordern! Ich bereue nicht, es gekauft zu haben. Kein Stück!

Gleich folgt noch ein Blogeintrag zum Thema "Gefühle".

Sonnengrüße,
Claudi

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