Montag, 6. Juni 2016

Der Königsplatz, der Herbert und die Claudi

Namasté ihr Lieben,

ich hab gestern gezählt. Ich durfte bisher 15 Top-Konzerte erleben. Diese vermag ich nicht numerisch einzugliedern - sie sind einfach alle auf Platz 1. Aber es sind gleich drei von Herbert Grönemeyer dabei. 2003 auf Schalke, 2012 im Circus Krone und gestern auf dem Königsplatz.


Der Königsplatz und ich... das ist eine lange Geschichte. Ich fand ihn schon als Kind impossant, habe aber erst 1999, in der Berufschule für Spedition und Touristik, die sich direkt daneben befindet, von seiner Geschichte gehört. Seit dem fahre ich mit dem Auto drüber, sitze auf den Stufen, beobachte Menschen, es ist einer meiner Kraftorte und für mich ein wichtiges Stück von meinem München.

Nun dort unseren Herbert zu erleben war unbeschrrrrrrrrrrreiblich schön. Ja!

Mama und ich durften noch in die zweite Absperrung, waren also so nah dran.

Flugzeuge im Bauch, neu arrangiert mit Cello.


Das klingt so:


Gib mir mein Herz zurück.
Du brauchst meine Liebe nicht.
Gib mir mein Herz zurück.
Bevor es auseinander bricht.
Je eher. Je eher du gehst.
Umso leichter. Umso leichter. Wird's für mich.

Als hätte er es nur für mich gesungen. Zauberrrrrhaft. Zum ersten Mal in meinem Leben, habe ich es wirklich gefühlt. Wohlgemerkt: Seit den 90ern besuche ich dem Herbert seine Konzerte. Doch gestern war es alles plötzlich so klar: Diese Zerrissenheit, wenn man so gerne lieben will - aber nicht darf oder soll. Oder nicht zurückgeliebt werden kann. Einen so großen Kloß hatte ich ewig nicht mehr im Hals.


Jeder Mensch sollte meiner Meinung nach ein Lied haben, dass ihm Ruhe; Frieden und Zuflucht gibt. Egal in welcher Lage er sich gerade befindet. 


Meins ist "Land unter". Seit ganz genau 2009. Als ich ganz allein und weinend auf einer Düne, umringt von Rosen, in Sylt den Sonnenuntergang beobachtet habe. Das Meer, der Sand, die Sonne, die Weite und der Horizont vor mir. Nordseefeeling pur. Und das Gefühl, dass die Sonne immer für mich und meinen Kummer da sein wird. Klingt traurig. Gibt mir aber ganz viel Kraft.

"Mein" Lied gestern, mit 18.000 Lichtern auf "meinem" Königsplatz zu hören. Mit Akkordeon, von Herbert und seiner Band. Bei sternenklarer Nacht. Mit einem Blick zurück auf die Stufen, die mir so viel bedeuten. Mir fehlen die Worte, dieses Gefühl zu beschreiben.



Hört sich in dieser wunderwunderwunderschönen Version so an:




Hab keine Angst vor'm Untergehn
Gischt schlägt ins Gesicht
Kämpf mich durch zum Horizont
Denn dort treff ich dich

Geleite mich heim
Rauhe Endlosigkeit
Bist zu lange fort
Mach die Feuer an
Damit ich dich finden kann
Steig zu mir an Bord
Übernimm die Wacht
Bring mich durch die Nacht
Rette mich durch den Sturm
Faß mich ganz fest an
Daß ich mich halten kann
Bring mich zum Ende
Laß mich nicht mehr los


Die Band finde ich mit jedem Konzert noch mehr sexy. Sexier? Egal. Ihr wisst schon. Unseren Hörbie ja so gar nicht. Aber diese Gitarristen. Hm....


Doch was viel wichtiger ist: Sie berühren mein Herz.

Dann war da also in all diesem Gefühlswahnsinn tatsächlich noch ein Lied, dass mich zum Weinen gebracht hat: Ich dreh mich um dich. 1.000 Mal gehört. 1.000 Mal ist nichts passiert. Bis gestern.



Wenn du im Trüben fischt
Und es tropft in dein Gemüt
Wenn alle Geheimnisse verraten sind
Und du dich verloren fühlst

Ich dreh mich um dich
Ich dreh mich um dich
Stell mich vor den bösen Blick
Deine Tränen werde ich übernehmen
Alle Qualen und alle Folter überstehen
Auch wenn du greinst, du dich kasteist
Auch wenn du haderst, du dich zerreißt
Wenn sich alles verdunkelt
Bring ich dich durch die Nacht

Ja, das war alles sehr emotional. Vor allem auch, weil ich mich zum ersten Mal verteidigt habe. Mich, meine Konzertstimmung, meinen Frieden und meine Gefühle. Da war doch tatsächlich ein Riesendrumdepp hinter mir, der meinte, er müsse mit seiner Freundin/ Frau (wie kann man mit so jemandem zusammen sein???) über die Rente (!!!!) reden. Nein, die beiden sahen nicht so aus wie 65! Er hat sie richtig angepfiffen, sie solle nicht so leichtgläubig sein. Über drei Lieder hinweg. Doch dann stimmt Herbert "Der Weg" an. Und ich bin geplatzt. Und dann war Ruhe. Endlich.

Sonst: Wundertolle Frauen um uns rum. Auf tanzen und singen aus ab dem ersten Lied. Schon lang habe ich nicht mehr so tolle Menschen um mich rum gehabt auf einem Konzert. Das war ehrlich herrlich. Und ich bin sooooo froh und dankbar, dabei gewesen zu sein. Und meine Mama in den Arm genommen zu haben, bei "Halt mich".


Das war wohl der persönlichste Konzertrückblick, den ich je verfasst habe. Aber mir war gerade danach. Weil es schön ist, sich nochmal ein zu fühlen. In all die Liebe und den Kummer. In all die Freude und das Glück. Voller Herzenswärme für den Mann, der mein Leben seit gut 20 Jahren mit seiner Musik bereichert.

Danke Herbert! Wir sehen uns dann wenn du 89 bist in Travemünde. In der Kurmuschel für 12,80€. Ich werde eine der 18 Anwesenden sein.


Sonnengrüße,
Claudi

Kommentare:

  1. Ach Claudi, was soll ich sagen..., wir teilen wohl die gleiche Liebe und Treue zu Herbert und seinen Konzerten. Irgendwann habe ich mit dem Zählen aufgehört, aber jedes Einzelne war ein echtes Highlight in meinem Leben, wo mich pures Glück und Freude durchströmten. Leider werde ich 2016 wohl kein Konzert mehr mit Herbert erleben, aber dafür hast Du mich nochmals in das von 2015 in Wien zurückversetzt - als das Cello spielte und alles rundum großartig war.
    Danke, danke und alles Liebe
    Brigitte

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    1. Hach Brigitte, du Herzerl.
      Schön dich hier zu lesen <3

      A dickes Busserl aus München und: Sehr sehr sehr gerne.
      War für mich echt schön es fest zu halten hier.

      Sonnengrüße aus M nach W,
      die Claudi

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