Mittwoch, 31. August 2016

Wenn der Hund zum Lehrer wird

Namasté ihr Lieben,

ich kämpfe derzeit mit dem Finn. Immer wieder. Daheim ist er so ein Engel - der draußen zwei feuerrote Hörner bekommt. Da werden Hunde angeflafft und männliche Nachbarn angebellt. Das hat er in seiner Hood schon länger.

Neu ist allerdings, dass er, der Prinz, nun den Weg bestimmt. Wenn ich da lang gehe wo ich hin will/ muss (beispielsweise vollgepackt für den Potluck am Sonntag) dann setzt er sich hin und bockt.
Ja, wirklich. Wie ein kleines Kind. Er sitzt dann da, schaut mich an und geht nicht weiter.

Bereits im Winter hat er mir gelernt, dass er es total doof findet, wenn ich beispielsweise in whatsapp rumtippe, während wir spazieren gehen. Ok, habe ich kapiert. Aber DAS ist nun wieder was ganz Neues. Will er mir sagen, dass es seine "Finn-Zeit" ist und er bestimmt wo es langgeht? Ist er einfach nur ein Sturkopf? Oder, netter ausgedrückt, ein Charakter-Hund?

Das Unangenehme daran ist Folgendes:


Durch seine Behinderung werden er und ich schon immer besonders beobachtet. Nein, das ist keine Einbildung. Jeder der schon einmal mit uns spazieren war, kann ein Lied davon singen. 
Wenn ich ihn nun weiter ziehe oder schiebe - das kann ich anders nicht formulieren - entsteht in den Köpfen anderer Menschen ganz schnell "Mei der arme Hund - der hat Schmerzen! Sieht sie das denn nicht? Wie soll der denn mit DER Pfote auch laufen können?". Auch das ist keine Einbildung sondern ein Fakt - denn ich wurde schon mehrmals darauf angesprochen, dass es unverschämt sei so... böse... gewaltvoll... störrisch... gemein... mit dem kranken Hund umzugehen.

Ich frage mich also seit Wochen: Was will Finn mir lernen???


Sollte ich das mal knacken, melde ich mich zurück zum Thema ;-)

Sonnengrüße,
Claudi

Kommentare:

  1. Hallo Claudi, Ferndiagnosen sind da natürlich ganz, ganz schwer. Aber für mich hört sich das ein bisschen so an, als ob Finn dich nicht mehr so richtig ernst nimmt. Kann es sein, dass du generell nicht (mehr?) so konsequent bist mit ihm? Ich habe derzeit ähnliche Problemchen mit einem Pferd. Dabei weiß ich eigentlich, was mein Fehler ist: ich bin zu zaghaft, zu sanft. Pferde wollen nicht betüddelt werden, sondern klar und bestimmt den Weg geweisen bekommen, sie erwarten von dir, dass du eine Führungspersönlichkeit bist. Aus menschlicher Sicht muss man da manchmal ganz schön grob sein. Klar soll man trotzdem fair und gerecht sein, aber zu viel Sanftheit und "menschliches Denken" sind da fehl am Platze. Bei Hunden ist es manchmal nicht so viel anders...

    Viel Erfolg!
    Heike

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    1. Guten Abend Heike,

      danke für deinen Kommentar. Ich werde mal drüber nachdenken. Ich weiß genau was du meinst. Aber ich bin halt trotzdem auch gerne eine gute Freundin von ihm und nicht Chefin... Hm...

      Sonnengrüße und alles Liebe für dich und dein Pferd,
      Claudi

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    2. Hallo Claudi,

      das kann ich nur zu gut verstehen... das Pferd ist glücklicherweise nicht mein Eigenes und eigentlich ein ganz Lieber. Aber selbst der will sehr klare Anweisungen...

      Das mit der Beobachtung kann ich mir gut vorstellen. Vielleicht spürt Finn das und merkt, dass du unter der Beobachtung nicht so ganz du selbst bist und er sich mehr erlauben kann (bei dem Pferd und mir ist es jedenfalls so). Dann wäre die Nachricht: Sei du selbst, stehe zu dem, was du tust, egal was die Leute sagen ;-).

      Liebe Grüße,
      Heike

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  2. Liebe Claudi, jetzt muss ich grad an meinen verstorbenen Hund Rocky denken, der hat auch sehr gerne den "Esel" gemacht. Einfach nicht weiter gehen. Und dann muss man doch ziehen, total unangenehm, aber manchmal muss man sich dann doch durchsetzen und seinen Weg weiter gehen. Aber auch er war mir der beste Lehrer den ich je hatte. Sogar in seiner Todesstunde hat er mich gelehrt, iwe man mit Würde diese wunderschöne Erde verlässt, wenn die Zeit gekommen ist. Genieße deinen Seelenhund, lass dich nicht von anderen Menschen verunsichern, denn Finn hat es mit Sicherheit grandios bei dir. Leider kenne ich dieses Angestarrt werden auch wenn ich mit behinderten Kindern oder Kindern allgemein unterwegs bin. Echt nervig. Aber oft auch gar nicht bös gemeint, aber alles was anders ist und nicht in die Norm passt fällt halt auf.
    So nun wünsche ich dir und Finn ein tolles Wochenende. Hoffentlich kommst du bald hinter sein Geheimnis:)
    Daniela mit Hund Lübbi :)

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    1. Liebe Daniela,

      vielen Dank für deinen Kommentar.
      Ich nenne Finn manchmal nur noch "Eumel" :) :) :)

      Über deinen Gedankengang habe ich hier http://claudidoesyoga.blogspot.de/2016/06/behinderung-ein-ganzes-halbes-jahr.html übrigens schon mal geschrieben. Das sind Erlebnisse, da könnte man andere Menschen gedanklich an die Wand klatschen.

      Sonnengrüße und alles Lieb für dich und Lübbi,
      Claudi

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