Sonntag, 26. Juli 2020

Scheißtag. Punkt.

Namaste du Liebe*r,

ich mag es gar nicht morgens aufzuwachen und mir "Scheißtag" zu denken.
Das war heute zugegebenermaßen genau so.

Was hilft? Die persönliche Werkzeugkiste auspacken. Bestehend aus:

* Bewusst atmen
* āsana üben
* Meditation üben
* Spazierenstehen mit Finn (10 Minuten im Hinterhof - aus aktuellem Anlass)
* Duschen
* Frühstücken
* Mit Freundinnen in Kontakt treten
* E-Mails beantworten
* Lesen
* YouTube Videos schauen

Hat alles nichts geholfen. Zwischenzeitlich wurde der Himmel blau statt grau. Die Wolken sind der Sonne gewichen. Es wurde wärmer. Also: Raus! Weiter geht es mit der Werkzeugkiste:

* Wanderschuhe anziehen um das Schachen-Gefühl zurück zu holen
* Bewegung (richtiges Spazierengehen)
* Menschen beobachten
* Gänse und Enten schauen
* Sich an mindestens 15 verschiedenen Grüntönen erfreuen
* Spaßige Kinder im frühren Abenteuerland (das gab's schon in den 80ern!) wahrnehmen
* Schnelleres gehen
* Sich selbst zum Lächeln zwingen

Nach ca. 30 Minuten stellte ich resigniert fest, dass auch all das heute offensichtlich nicht wirkt. Nun wende ich also das letzte Werkzeug an:
* Den Frust von der Seele schreiben

Auf der Heimfahrt hat sich das linke Auge mit Quellwasser gefüllt.
An den Weg kann ich mich nicht erinnern. Ich weiß nur noch, dass ich vor dem knapp einstündigen Spaziergang überlegt hatte, noch eine Runde im anderen Kraftort anzuschließen. Mich aber offensichtlich dagegen entschieden habe, da ich am Bahnhof wie ferngesteuert links abgebogen statt geradeaus gefahren bin.

Zuvor hatte ich noch überlegt gehabt, zur Tankstelle zu fahren. Waffeln und Eis kaufen. Bin nun aber froh, es nicht getan zu haben. Denn beides würde zwar meine miesen Gefühle kurzfristig wegmachen. Mir dauerthaft aber nicht weiterhelfen.

Miese Gefühle? Was ist eigentlich überhaupt los?

Heute ist der letzte meiner 19 Urlaubstage. Ich habe sie mir meiner Meinung nach mehr als verdient. Seit Ende März ist der Teilzeitjob mehr als beschissen. Mehr oder weniger arbeite ich seit April allein den Job von zuvor drei. Keine Dankbarkeit, keine Wertschätzung. Seit April freute ich mich auf den Urlaub vor. Ich wollte Freundinnen treffen, Yoga üben, viel lesen, Meditation ausbauen, raus in die Natur, gehen, radln. Zeit dafür haben mich endlich zu erholen. Es sollte der erste richtige Urlaub seit neun Jahren werden. Denn gefühlt bin ich seit 2011 mit dem ersten Blogeintrag von "Claudi goes vegan" im dauerhaften Zugzwang gewesen. Ich wollte mir in meinen 19 Tagen klar darüber werden, wie es bzgl. des Teilzeitjobs weiter gehen soll. Kraft tanken für den folgenden Monat in dem ich schon wieder allein bin. Einen Fahrplan wollte ich mir erstellen, für das nächste halbe Jahr. Die Liebe endlich so feiern, wie sie es verdient hat. Als gut erholte Claudi zurück an den eiskalten und knallharten Arbeitsplatz kehren. Fest vorgenommen hatte ich mir, die miese Laune der Wochen vor meinen "Urlaub" nicht mehr an den Kolleg*innen auszulassen - die eigentlich nichts für all das können. Ich wollte mein Strahlen wieder erhalten, ich wollte wieder glücklich sein, auch in den nervigen 24 Stunden der Woche. Keine*r kann was dafür, dass ich mich seit 2008 so sehr verändert habe, dass es einfach nicht mehr passt. So gar nicht mehr passt. Noch weniger, da die mir wichtigen Aufgaben und Menschen (eine Person konkret. Viele andere wegen ihrer nun nicht mehr mit meiner übereinstimmenden Meinung sinnbildlich. Nicht mal eine Hand voll wirklich Vertrauter ist noch da.) weggenommen wurden.
ICH KANN NICHT MEHR!!!

Was ist dann passiert?
Ich wurde zur Fulltime-Hunde-Pflegerin. Finnibär hat sich einen Kreuzbandriss zugezogen. Der kam schleichend, Altersschwäche. Wir waren in den letzten drei Wochen viermal in der Tierklinik. Ich habe über vier Stunden mit Tierarztpraxen, Kliniken, Freunden telefoniert. Es ist gar nicht so einfach in der Covid-19-Zeit eine Praxis zu finden, die den Mitbewohner des Tiers mit in den Behandlungsraum lässt. Es sollte also verglichen und abgewägt und möglichst schnell eine Lösung gefunden werden. Die gute Nachricht: Mit dem heutigen Tag kann ich vermelden, dass es Finn wieder "gut" geht. Die Narbe ist tipptopp verheilt, die Kruste abgefallen, er braucht keinen Trichter mehr. Und ich wünsche mir SEHR, dass die heutige Nacht die erste seit drei Wochen wird, in der ich wieder gut schlafen kann. Ausnahme waren zwei Nächte letzte Woche. Von DO auf FR und FR auf SA.
ICH KANN NICHT MEHR!!!

Doch das ist noch nicht alles.
Ich hatte Sorgen um Oma, Sorgen um Mama und Sorgen weil sich Mama um Oma Sorgen macht.
ICH KANN NICHT MEHR!!!

Eigentlich sind alle gesund. Eigentlich geht es mir gut. Eigentlich kann ich dankbar sein einen Job zu haben. Eigentlich steht es mir frei zu gehen. Eigentlich sollte ich mich freuen, die letzten drei Wochen den Hundeopa, in der für ihn schwierigen Zeit, so gut begleitet haben zu können. Eigentlich sollte ich dankbar sein Freundinnen zu haben, die für als das Verständnis aufbringen. Eigentlich sollte ich Corona dankbar sein, dass es mir so klar zeigt, was schief läuft bei mir. Eigentlich sollte ich mich einfach nur an der neu entdeckten Liebe erfreuen, nicht "nur" zu den Bergen. Eigentlich sollte ich doch himmelhochjauchzend durch die gegend hüpfen wie ein Flummi. Eigentlich ist alles in Ordnung. Eigentlich ist ein doofes Wort.

So beschließe ich heute, hier und jetzt. Voller Selbstmitgefühl. Mit einer Umarmung für meine kleine Seele, der heute einfach nur nach weinen und traurigsein ist.

"So ist es jetzt!"

Scheißtag. Punkt.

Danke für dich, Sonnengrüße von Herzen und bleib gesund,
deine Claudi

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