Montag, 20. Juli 2020

Wenn nach 15 Jahren ein Traum wahr wird...

Namaste du Liebe*r,

meine Oma hat mir vor 15 Jahren erstmals davon vorgeschwärmt:

Die allerschönste Wanderung vor unserer Haustüre, sei die über den Königsweg hoch zum Schachenschloss.




Sie sei wahnsinnig anstrengend, aber die Belohung in Form der einmaligen Aussicht sei jeden Schritt wert. Sie wüsste aber nicht, ob ich das schaffen kann. Man geht vier Stunden, es ist teilweise wirklich steil und im Mittelstück folgt eine Serpentine der nächsten. Außerdem ist es total gemein, denn man sieht schon sehr früh das Schloss von Ludwig II, würde dann aber noch Ewigkeiten weiter wandern müssen. Sie habe damals über vier Stunden gebraucht, aber sie sei ja fit, im Gegensatz zu mir, die (welch Schande als geborenes Münchner Kindl) noch nie auf dem Berg war.

Sehr motivierend. Nicht.

Der Reiz hat aber nicht nachgelassen, nachdem meine Freundin Doris sich 2013 sogar in Begleitung von Kindern aufgemacht hat zu meinem Traumschloss. Ihren Blogeintrag kann man auf "Meine Sicht der Welt" nachlesen.

Da ich nun einen wundertollen Menschen in meinem Leben habe, der das Wandern liebt - aber bisher immer bergab ging oder auf Klettersteigen unterwegs war und meine bisher nicht vorhanden Bergliebe so gar nicht nachvollziehen kann, war es gestern soweit. 


Ich erklärte nämlich schon vor Wochen:
Wenn ich jemals EINE Wanderung mache, dann DIE! Punkt. Halt so :-)

Ich wollte einfach ein Motivations-Ziel haben. Wissen, dass ich das schaffen kann, was meine Oma mir nicht zutraut. Wo Freunde meinten, dass ich erst mal noch einen kleineren Berg ausprobieren sollte. Etwas das nicht ganz so anstrengend ist wie 900 Höhenmeter zu gehen und 11 Kilometer einfach hinzulegen.

Aber der Sturkopf in mir hat gewonnen - zum Glück muss ich sagen.

Und so hat gestern um 05 Uhr der Wecker geklingelt, um ca. Viertel nach sieben sind wir auf P4 in Elmau angekommen und kurz vor halb acht munter losgestapft.


Der Weg ist so breit, dass sogar Autos und Motorräder hochfahren. Wir haben Bundeswehrler getroffen und sind von irrsinnig vielen E-Bikes überholt worden. Besonderes süß: Ein Papa und eine Mama haben mit einem Seil um den Sattel jeweils einen Sohn hochgezogen. Einige Wenige tapfere Radler sind ohne E-Bikes hoch. Merkt man gleich an der Geschwindkeit :-)

Jedenfalls war ganz schön was los und ich hab mich ständig über Trachtenhüte, Holzstöcke und die vielen GAP Kennzeichen gewundert. 

Es war zwar anstrengend aber ich topfit, das Wetter war mit 13 Grad genau richtig für den Start und es ging entlang an einer Felswand und einem Fluss. Grün überall, blauer Himmel, Schäfchenwolken. Magisch!



Bis zum ungefähren/ gefühlten/ psychologisch guten Mittelpunkt, der Wettersteinalm, waren wir 1 1/2 Stunden unterwegs. Da hat man dann schon knapp sechs von den elf Kilometern geschafft! 


Ich will nochmal betonen: Meine erste bergauf Wanderung!!! Ich find mich echt gut!!!

An der Wettersteinalm trennt sich der Weg: Die Mutigen die auf Steine abfahren, gehen über das s. g. Schachentor weiter (links weg). Die, die lieber a bissi länger (dafür aber sicher) unterwegs sind, nicht noch mehr/höheren Ausblick brauchen und gern im Wald laufen, bleiben auf dem Königsweg (rechts weg). 

Aber erstmal: Pause. Wow. Was für ein Ausblick!!! Ich hab noch nie so nah einen Berg gesehen! Dazu Cookies und Banane. Wasser. Atmen. Staunen. Genießen. Weiter geht's.

Dann kam das, wovor Oma mich bzgl. des Königswegs gewarnt hatte: Ungefähr eine Stunde lang Kurven gehen, wirklich steil und schon wesentlich enger als vorher. Aber gleichzeitig so was von gscheid schee! Die Bäume, die Wiesen, die Blumen, diese Luft! WAHNSINN!!!


Und dann wird es flach, der Weg führt gefühlt um den Berg rum und ich flipp aus! Zuerst der Blick von ganz weit oben nach unten auf Garmisch Partenkirchen. Miniklein. Die Häuschen popeliger als Legosteinchen. Ich bin so weit oben! Meine Füße haben mich hochgetragen, Herz und Lunge haben mitgemacht. Das Gesicht knallrot, das T-Shirt durchgeschwitzt. Aber nicht kaputt, sondern voller Vorfreude und Stolz!

Kurz nach dieser Feststellung, nach 2 1/2 Stunden bergauf gehen und nach einem Schloss Ausschau halten, ist es endlich soweit!



DAS SCHACHENSCHLOSS!!!

Ich hab nur noch geschrien und fast geweint, mich gefreut wie ein Sellerieschnitzel und gegrinst wie ein Dattelsiruppferd! Glück pur! Hormonausschüttung bis zum geht nicht mehr.


Dann folgte eine weitere Belohnung in Form von grasenden Baby-Kühen (ich vermute der einizge Sommer im Grünen, wenn sie noch nicht künstlich geschwängert werden und ab da für vier Jahre im Stall stehen) mit (zum Glück kleinen!) Glocken um den Hals. Oh wie süß. Ich liebe Kühe!!!





 

Zurück zum Weg: Das Schachenschloss sieht man dann immer wieder - und wieder nicht - und wieder - und nicht mehr. So geht das die restliche Stunde. Total egal. Ich weiß ja nun: Ich bin oben! Ich hab es gepackt. Mich trennen nur noch ein paar Kilometer mehr oder weniger geradeaus gehen. Hach.




In der letzten Kurve ertönt plötzlich Musik vom Gipfel. Der ist ab dem Schachen noch 1 1/2 Stunden weiter oben. Wie sich später herausstellt, handelt es sich um zwei Tenorhörner. Es war nämlich Bergmesse - was die vielen Einheimischen erklärt, die uns motorisiert überholt haben.

Wegen Covid-19 ist es geschlossen. Was ich verstehen kann. Das wusste ich auch schon vorher. Macht nix. Wie auch bei Kirchen, sehe ich Schlösser eh lieber von außen. Und darum ging es nicht. Ich wollte ja nur eine Motivation haben, die mich 900 Höhenmeter und 11 Kilometer in 3 1/2 Stunden Gehzeit den Berg hoch bringt.

Brotzeit war eingepackt: Brot, Tofu, Aufstriche, Gurke, Karotten. 



Das Staunen hat auch einige Zeit in Anspruch genommen, ungefähr eineinhalb Stunden waren wir oben, beim Schloss und Schachenhaus.

In der Hütte gibt es maximal Vegetarisch - war mir aber klar. Interessant finde ich, dass das die Versorgungshütte vom König war - also zeitgleich mit dem Schloss gebaut wurde!

Bei dem Panorama verstehe ich übrigens sehr gut, warum sich der Ludwig diesen Ort für seine "Berghütte" ausgesucht hat:









Ich hatte also alles:
Kühe, Tenorhörner, Schloss, Brotzeit, Sonne, Schäfchenwolken, blauen Himmel, Berge! Und fühle mich glücklich, dankbar - und so was von geliebt!


Der Abstieg hat dann drei Stunden dauert, kurze Pause an der Wettersteinalm (Walnüsse) inklusive. Für mich faszinierend: Den gleichen Weg gehen - aber ihn ganz anders sehen!





Somit waren wir also ab/ bis Parkplatz neun Stunden unterwegs! 

Von diesem Tag werde ich noch sehr sehr sehr lange was haben. Die Fotos habe ich allesamt machen lassen, mein iPhone kein einziges Mal in die Hand genommen. Einfach nur aufsaugen und genießen und staunen und lächeln. Glück pur!

Ja, jetzt hab ich sie auch... nach 37 Jahren in München... die BERGLIEBE!


Danke für dich, Sonnengrüße von Herzen und bleib gesund,
Claudi

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